Einweihung des Werks in Chanovice, 1992.
„Wir sind hier, wir sind stark, wir können bauen.“ – Petr Zuk
Einweihung des Werks in Chanovice, 1992.

Ein Abenteuer nebenan – Haas expandiert nach Tschechien

Es ist 1994, und Petr Zuk hat ein Problem, das eigentlich keines sein sollte: Sein Job ist es, ein bewährtes Produkt zu verkaufen, angeboten von einer etablierten Marke, beliebt in den Nachbarländern. Und trotzdem erinnert sich der erste Verkaufsleiter von Haas in Tschechien noch fast 30 Jahre später an die Herausforderungen dieser Tage: „Das war anfangs harte und intensive Arbeit.“

Doch von vorne: Anfang der 1990er hat sich Haas in Österreich etabliert und nach der Wende in den neuen Bundesländern Fuß gefasst. Nur im nahegelegenen Tschechien fehlt noch jede Spur von den Niederbayern. Doch das soll sich nun ändern: In Chanovice, auf halbem Weg nach Prag, entdeckt Haas einen stillgelegten Holzbaubetrieb. Kurzentschlossen wird hier eine neue Tochter aufgebaut und das zertifizierte Haas-Fertighaussystem übernommen. Nur die Kunden sind zunächst noch zögerlich. Petr Zuk, der von Beginn an dabei ist, weiß, wieso seine Landsleute zögern: „Wir mussten hier erst Vertrauen in den Holzbau schaffen.“ Die Fertigbauweise mit Holz ist in Tschechien kaum verbreitet und erklärungsbedürftig.

Xaver Haas bei der Einweihung in Chanovice, 1992.

Einweihung in Chanovice, 1992.

Werk in Chanovice, 1994.

Werk in Chanovice, 1994.

Luftaufnahme vom Werk in Chanovice, 2009.

Werk in Chanovice, 2009.

Doch für skeptische Kunden hat Haas ein Erfolgsrezept schon lange erprobt: In Chanovice, Prag und Brünn präsentiert das Familienunternehmen rasch seine Musterhäuser und bietet die gewohnte individuelle Beratung. So werden die Kunden von den Vorzügen der Holzbauweise überzeugt und können auch gleich ihre eigenen Wünsche umsetzen – perfekt für den tschechischen Markt, wie Petr Zuk schmunzelnd erklärt: „Wir wollen uns hier in Tschechien einfach von unseren Nachbarn abheben.“ Ausbauhäuser mit bezugsfertigem Erdgeschoss und individuellem Gestaltungsspielraum im Obergeschoss werden so schnell zum Verkaufsschlager.

Nach den Anlaufschwierigkeiten entwickelt sich der Standort in Tschechien positiv, auch industrielle und landwirtschaftliche Gebäude werden bald errichtet. Heute sind Haas und der Holzbau längst eine feste Größe, auch bei hochkomplexen Projekten. Der langjährige Geschäftsführer der Niederlassung, Ladislav Kamenik, berichtet stolz über das Know-how seiner Leute: „Die Sporthalle in Vitkovice - das war eine extreme Herausforderung, mit sehr großen Teilen von fast 50 Metern Länge. Das haben wir perfekt gemeistert.“  Bis heute investiert Haas in den Standort: 2021 wurde ein neues Verwaltungsgebäude bezogen.

Dass Haas in Tschechien inzwischen fest verwurzelt ist, wird aber vor allem in einer schwierigen Situation deutlich: Im August 2002 wird die Stadt Blatna von einer verheerenden Überschwemmung heimgesucht. Gemeinsam mit der bayerischen Zentrale koordiniert Haas aus Chanovice kurzentschlossen Unterstützungsmaßnahmen und macht ein Versprechen: Haas baut 30 Häuser für Flutopfer – und diese werden Weihnachten in ihren neuen Häusern feiern können. Es sind keine leeren Worte, wie Petr Zuk berichten kann: „Am 21.12. waren die Häuser bezugsfertig. Wir haben gezeigt, dass wir da sind, dass wir stark sind, dass wir bauen können.“

Das Hausmodell der Flutkatastrophe – „Torino“ – wird im Folgenden zu einem der Verkaufsschlager in Tschechien. Holzbau macht hier mittlerweile rund 15 % des Markts aus. Haas ist in Tschechien angekommen – und nicht mehr wegzudenken.

Einblick in Oselce

Weitere Investition: Einblick in den Produktionsstandort in Oselce, wo seit 2021 Decken- und Dachstuhlkomponenten, Nagelplattenbinder und Laibungen gefertigt werden.